Am 26.11.09 feierte Lars Reichow die Mainz-Premiere seines neuen Liederprogramms „Wie schön du bist“ im Frankfurter Hof.
Die Allgemeine Zeitung Mainz schreibt:
Keck und federleicht
Konzert Lars Reichow mit Liederprogramm im Frankfurter Hof
MAINZ (mhz). Es sind neue und altbekannte Töne, tiefgründig, verträumt, bedeutungsschwer, gleichzeitig frech, keck und spitz; und klingen federleicht, nonchalant, deswegen nicht weniger mitreißend. Die Atmosphäre bei Lars Reichows erstem reinen Liederprogramm „Wie schön du bist“ ist eine andere, als man sie von ihm gewohnt ist: familiärer, lauschiger, privater. Was wohl zum einen daran liegt, dass der Mainzer Kabarettist sowohl in seinen Stücken, wie auch mit den Seitenhieben, die er zwischen den Songs in Richtung Investmentbanker, Mainzer Wohnbau- Krise oder die kleinen Tücken des Alltags losjagt, oft das ausspricht, was andere kaum zu denken wagen. Frauen werden verehrt, Finnen verachtet, Fältchen veredelt. Society-Sternchen singend vom Sockel gestoßen; Elton John und Paris Hilton ausgelacht, Florian Silbereisen verhöhnt: „Es scheint,diese volkstümlichen Idioten werden irgendwo gezüchtet im Labor“. Melancholisch und melodisch breitet er Animositäten vor dem Publikum aus – und bedient sich dabei nicht nur seines Pianos, sondern ausnahmsweise noch weiteren Musikern. Zum bislang ersten Mal hat Reichow im Frankfurter Hof nämlich eine Band dabei – ein Wagnis, das sich gelohnt hat. Die jazzigen Sounds, vor allem die des Saxophons, erheben den einen oder anderen Reichow-Song in den Adelsstand. So ganz den Träumereien und Sentimentalitäten hingeben kann sich Reichow dann wohl doch nicht. Wäre auch zu schade gewesen, hätte er dem Mainzer Publikum seine neue vorabendserientaugliche „Wohnbau“- Soap vorenthalten. Gitarrensaiten, die die ersten Töne der „Capri-Fischer“ anklingen lassen, vier Anekdoten rund um „Jensi“, das „Prestigeobjekt Markthäuser“, den „Laub’schen Traum von der Gastronomie“ und der allgegenwärtige Satz „Ich kenn da einen, der einen kennt“ reißen das Publikum raus aus dem genussvollen Schwelgen, rein ins unverhohlene Gelächter. Gefühl, Humor und die Reichow-typische saloppe Satire geben ein Dreigespann ab, das „Wie schön du bist“ mitten ins Herz treffen lässt – und dabei das Zwerchfell ganz gewollt in Mitleidenschaft zieht.
Mainzer Rheinzeitung:
[...] Lars Reichow glänzt mit neuem Programm „Wie schön du bist“ im Frankfurter Hof – Politisches und Privates raffiniert formuliert und schön verpackt. [...] Der Titel klingt harmlos, doch dahinter steckt Sprengstoff: Lars Reichow präsentierte seinen Liederabend im Frankfurter Hof [...] Wie schön du bist“ heißt das neue Programm des 45-Jährigen. Ein Liederabend soll es sein „Deswegen will ich auch nicht dazwischen quatschen wie sonst“, meint Reichow denn auch – nur um dann mit Conférencen zu glänzen, die mal entfesselt albern, mal redlich empört oder aber endlos entspannt daherkommen. [...] In Reichows Stücken mischt sich fein formuliert Politisches mit Privatem. [...] So scharf war dieser Kabarettist schon lange nicht mehr. Es steht ihm unverschämt gut.